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Gerhard Mercator

500+3. Das “Mercator-Jahr” ist vorbei (und was für ein Jahr das war!). Aber der Kartograph bleibt in Duisburg natürlich weiterhin präsent.
Duisburg 2012. Wir feier(te)n 500 Jahre Gerhard Mercator. Zum Jubiläum des 500. Geburtstages des berühmtesten Einwohners der Stadt, fianden während des Jahres verschiedene Veranstaltungen statt. Ein Highlight sind waren hierbei sicherlich die im März organisierten
34. Duisburger Akzente, die sich unter dem Motto “Vom  Suchen und Finden” Mercator näher(te)n. Dieser Blog berichtet auch über die weiteren Programmpunkte, die sich über das Jubiläumsjahr verteilen. Doch wer war Gerhard Mercator? Was macht sein Werk auch heute noch so bedeutend? Das sei im Folgenden kurz dargelegt.

 

Gerhard Mercator – immer aktuell

Gerhard Mercators wegweisende Ideen zur Navigation finden sich heute in jedem GPS-Gerät; Satelliten, Flugzeuge und Schiffe bewegen sich auf sicherem Kurs durch seine Grundlagenarbeiten zur exakten Orientierung; See- und Landkarten werden auch heute noch in  der von ihm erdachten Karten-Projektion erstellt.

Gerhard Mercator war einer der bedeutendsten Gelehrten des 16. Jahrhunderts. Er selbst verstand sich als Kosmograph – als ein Beschreiber der gesamten Schöpfung – und befasste sich mit weltumspannenden Forschungen: mit der Entstehung, der Form und Beschaffenheit der ganzen Erde und des Himmels.

Die Löwener Jahre

Gerhard Kremer wurde am 5. März 1512 als Sohn eines Schusters in Rupelmonde bei Antwerpen geboren. Als Schüler der „Brüder vom gemeinsamen Leben“ in ´s-Hertogenbosch erhielt er erste Unterweisungen in Theologie, Latein und Griechisch. 1530 begann er an der Universität Löwen ein Studium der Philosophie, Mathematik und Astronomie. Wie unter Humanisten üblich, latinisierte er seinen Namen und nannte sich seitdem Gerardus Mercator.

Bei Gemma Frisius, dem Erfinder der Triangulation, lernte er den Bau von Vermessungsgeräten und Globen und arbeitete später selbständig als Kartograph, Landvermesser und Instrumentenbauer. Mercators Arbeiten waren für ihre große Exaktheit und Detailgenauigkeit berühmt, er belieferte sogar Kaiser Karl V. mit Vermessungsgeräten, Karten und Globen.

1536 heiratete Gerhard Mercator in Löwen die Bürgerstochter Barbara Schellekens und hatte mit ihr sechs Kinder: Arnold, Emerentia, Bartholomäus, Dorothea, Rumold und Katharina.

In Löwen fertigte er auch seine ersten eigenen kartographischen Werke: die Karte des Heiligen Landes (1537), die Weltkarte in doppelherzförmiger Projektion (1538), die Flandernkarte (1540), den Erd- und den Himmelsglobus (1541, 1551), sowie eine Anleitung zur Verwendung der Kursivschrift auf Landkarten (1540).

Trotz seines schon damals weit über die Grenzen der Spanischen Niederlande hinausreichenden Ruhmes wurde er im Februar 1544 unter dem Verdacht der Ketzerei verhaftet. Mehrere Monate lang war er im Kastell in Rupelmonde eingekerkert und kam erst durch die Fürsprache einflussreicher Persönlichkeiten frei.

Neue Heimat Duisburg

Nach Duisburg zog die Familie Mercator im Jahre 1552 mit der gesamten Werkstatt, allen Druckplatten und Unterlagen des Gelehrten. Ausschlaggebend dafür waren wahrscheinlich die liberale Einstellung des Herzogs von Jülich-Kleve-Berg in Religionsfragen und Mercators Hoffnung auf einen Lehrstuhl an der geplanten Duisburger Universität.

1558 erwarb Gerhard Mercator an der Oberstraße ein großes Grundstück mit Wohnhaus und Werkstatt. Hier lebte er mit seiner Familie als angesehener Gelehrter, ohne jemals den Bürgereid geleistet zu haben. Er arbeitete auch für den Landesherren Herzog Wilhelm den Reichen, der Mercator im Jahre 1563 zu seinem „Herzoglichen Kosmographen“ ernannte. Gerhard Mercator machte Duisburg zu einem angesehenen Zentrum der europäischen Kartographie. Alle kartographischen Erzeugnisse Mercators sind das Ergebnis seiner eigenen Forschungen und Datenvergleiche. Dadurch waren seine Werke stets auf dem neuesten Stand der Kenntnisse.

In der 42 Jahre währenden Duisburger Zeit schuf Mercator den bedeutendsten Teil seines Lebenswerkes. Dazu zählen die Europakarte (1554, 2. Auflage 1572), die Karte von Lothringen (1563/64), die Karte der Britischen Inseln (1564), die Weltkarte in Mercator-Projektion (1569), die Chronologie (1569), die Ptolemäus-Ausgabe (1578, 2. Auflage 1584), die mit Tabulae geographicae bezeichneten Kartenblattfolgen als Vorstufen zum Atlas (1585 und 1589), die Evangelienharmonie (1592) und der 1595 posthum von seinem jüngsten Sohn Rumold herausgegebene erste Atlas der Welt: Atlas sive Cosmographicae meditationes de fabrica mundi et fabricati figura (Atlas oder kosmographische Überlegungen über die Erschaffung der Welt und die Form des Geschaffenen).

Zu Weltruhm gelangte Gerhard Mercator mit seiner 1569 herausgegebenen Weltkarte Ad usum navigantium, die zum Gebrauch für die Schifffahrt bestimmt war. Diese genial konzipierte Wandkarte, die nach einem neuen Gradnetzentwurf angefertigt wurde, der heute die Bezeichnung Mercator-Projektion trägt und seitdem für See- und Landkarten und in der Luft- und Raumfahrt Verwendung findet, verbürgte jene Genauigkeit, die notwendig war, ein angesteuertes Ziel auch tatsächlich zu erreichen. Mit ihrer Winkeltreue war diese Karte ein Meilenstein der Navigation, denn auf ihr ließ sich der Kompasskurs erstmalig als eine gerade Linie darstellen.

Berühmt und hoch angesehen starb Gerhard Mercator am 2. Dezember 1594 im Alter von 82 Jahren in seinem Haus in Duisburg. Er wurde in der Salvatorkirche bestattet. Dort erinnert  eine Gedenktafel der Erben an den großen Kosmographen.

Mercator heute                                                                                                           

Gerhard Mercator war im wahrsten Sinne des Wortes ein Universalgelehrter, in dessen Lebenswerk die verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen sinnvoll vereinigt sind. Er war nicht nur Kartograph, Geograph, Geometer, Mathematiker, Kupferstecher, Kalligraph, Astronom, Instrumenten- und Globenbauer, sondern auch Theologe, Philosoph, Humanist, Astrologe und Verleger. Sein Name wird stets mit der nach ihm benannten Mercator-Projektion, der Verlegung des Magnetpols vom Himmel auf die Erde und dem weltweit benutzten Begriff Atlas für ein Kartenwerk eng verbunden bleiben.

Im Landkartenbereich wird derzeit das gesamte Liegenschaftskataster Deutschlands von den Gauß-Krüger-Koordinaten auf das Lagebezugssystem ETRS89/UTM umgestellt. UTM bedeutet dabei Universale Transversale Mercator-Projektion, eine weiterentwickelte Version Mercators genialer Idee von 1569.

Das Kultur- und Stadthistorische Museum Duisburg beherbergt eine der größten kartographischen Sammlungen von Werken Gerhard Mercators. Sie entstand durch bürgerschaftliches Engagement bereits ab dem Ende des 19. Jahrhunderts.


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