„Erfolg auf der ganzen Linie“, so könnte man wohl den ersten Zwischenbericht zur neuen Mercator-Schatzkammer im Kultur- und Stadthistorischen Museum zusammenfassen. Nach einer ersten erfolgreichen Woche hatten die Direktorin des Museums Dr. Susanne Sommer und Michael Wienand von der Agentur Bildwerk aus Dortmund, die für die Gestaltung der Schatzkammer verantwortlich war, dazu eingeladen. Zwar wurde am letzten Montag zunächst nur Richtfest gefeiert, denn noch sind nicht alle kleinen Details in der Ausstellung fertig, aber der Gesamteindruck ist trotzdem bombastisch. Denn die neue Dauerausstellung wartet nicht nur mit Gerhard Mercators beeindruckenden Karten und Globen auf, sondern auch mit einem digitalen Kartentisch, Klanginstallationen und einer neuen Beleuchtung.
Komm, wir finden einen Schatz!
Film, Theater, Lesung, Konzert: Von Paracelsus über Jedermann zu Finn-Ole Heinrich &Spaceann Spiff
Die Landung ist unspektakulär: Auf einmal steht er auf der Bühne. In Khakis, grauem T-Shirt und mit einer schwarzen Brille. Spaceman Spiff steht da mit der Gitarre vor dem Körper und spielt sein erstes Lied. Der Würzburger, der sich nach einer Figur aus der Kult-Comic-Reihe Calvin & Hobbes benannt hat und eigentlich Hannes Wittmer heißt, begrüßt sein Publikum mit “Hallo, ihr lieben Menschen” und gewinnt so schon schnell Sympathien. Seine Songs sind fast alle traurig,wie er selbst feststellt. Er kleidet diese Melancholie aber in tolle Texte, die man alle aufschreiben und für sich selber weiternutzen möchte. In “100.000 Kilometer”, einem Lied aus seiner Punk-Rock-Phase, heißt es zum Beispiel “Wohin soll ich laufen, so ganz ohne Boden untre den Füßen?” Zwischendurch gibt es immer wieder launige Ansagen, so stellt er fest, dass sich sein Auftritt nach David Lynch anfühle: “Der Hall, die Räucherstäbchen – das riecht nach Lynch!” Spaceman Spiff fühlt sich auf der Bühne wohl, das merkt man und wie singt er selbst “Was braucht es mehr als Mut und Herz und Verstand und eine Gitarre in der Hand?” Eben!
Robert Schindel beschließt das Akzente-Literaturprogramm
Achtung: Karten zu dieser Veranstaltung gelten gleichzeitig als Tagesticket für das Fest des Jüdischen Buches und sind zum von Preis 5,- EUR ausschließlich über die Jüdische Gemeinde am Springwall 16, Info-Telefon 0203/2981205, erhältlich!
Robert Schindel
“Man ist viel zu früh jung. Essays und Reden”
Sonntag, 18.03. Beginn12:00 Uhr
Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen
Springwall 16
47051 Duisburg
Kaminer in der Stadtbibliothek
Bei Lesungen denkt manch einer vielleicht an Loriots Lothar Frohwein und seinen “taubtrüben Ginst am Musenhain” und mächtig viel vergeistigtes “Krawehl, Krawehl”. Dass eine Lesung beste Unterhaltung mit komischen und nachdenklichen Texten bieten kann, bewies gestern der gebürtige Moskauer Wladimir Kaminer in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Stadtbücherei. Zur Einstimmung gab es Tanzmusik, ein bisschen “Russendisko” zum Start. Kaminer wird aus seinem Buch “Liebesgrüße aus Deutschland” lesen und ein paar neue Texte vortragen. Jan-Pieter Barbian nennt die “Liebesgrüße..” ein Buch “Über Ablenkungen und absurde Sinnsuchen.” Kaminer nennt es einfach “Das dickste und lustigste Buch, das ich bis jetzt geschrieben habe.” Mit seinem charmanten, schweren, russichen Akzenten beleuchtet er das deutsch-russische Völkerverständnis und zeigt die alltägliche Schrulligkeit auf beiden Seiten. Das Publikum hat viel Spaß und bringt sich mit ein. Als Kaminer vom Pilze suchen erzählt, wirft eine Frau den Spruch in den Raum: “Da ging sie in den Wald suchte Pilze – jetzt stillt se!” Alles lacht. Abseits dieses lebensbejahenden Themas ist der Abend irgendwie geprägt vom Tod. Und dennoch gibt es viel Gelächter. “Auf dem Friedhof” oder “Über den Weltuntergang” heißen die mit charmant rollendem “R” gelesenen Geschichten. Eingeleitet werden sie oft mit persönlichen Anekdoten des Autors, der ein genauer Beobachter der Welt um ihn herum ist und die vielen Absurditäten, die ihm begegnen aufs Papier bringt. Immer wieder, wenn er über seinen Alltag reflektiert ruft er aus: “Darüber muss ich auch noch ein Buch schreiben!” Die Stoffe werden ihm so schnell nicht ausgehen.
Zum Ende rührt er noch die Werbetrommel, für die Verfilmung seines Buches “Russendisko”, die am 29. März anläuft. Darin werde er von Matthias Schweighöfer gespielt. Klar, schließlich sähe im der schlaksige blonde Berliner ja sehr ähnlich. Mit diesem kleinen Kalauer und vielen kleinen Lachfältchen um die Augen entlässt Kaminer nach zwei Stunden (inklusive eifrigem Signierens) endet ein erfolgreicher Abend mit humorvollen Geschichten gegen eine Welt aus Vorurteilen.
Szenische Begegnung im Mercator-Gymnasium
Zu einer besonderen Begegnung kommt es am Montag, dem 19.03.12 im Mercator-Gymnasium (Dellviertel). Friederike Schmahl, Duisburger Schauspielerin und Regisseurin, und Joachim Henn, jetzt in Essen beheimateter Dramaturg und Rezitator, führen im Rahmen einer szenischen Lesung zu den außerordentlichen Lebensumständen und widersprüchlichen Beziehungen des Universalgelehrten Gerhard Mercator. Wahres verschmilzt mit Erfundenem, Erahntes mit Verbürgtem. Neben Gerhard Mercator als großer Wissenschaftler wird auch der Ehemann, Vater, Nachbar, Freund und Widersacher Gerard de Kremer erkennbar.
Die etwa neunzig minütige Projektion mit dem Titel „Zwischen Gott und der See“ basiert auf dem 2004 veröffentlichten gleichnamigen Roman des in Antwerpen geborenen Schriftstellers John Vermeulen, der von Joachim Henn extra für die Duisburger Akzente zu einer stark gekürzten Lesefassung umgeschrieben wurde.
Das Sondergastspiel für Oberstufenschüler, Eltern, Lehrer und andere Besucher – eine Kooperation zwischen dem Mercator-Gymnasium, der Stadtbibliothek Duisburg und den Duisburger Akzenten – findet ab 18.00 Uhr im Kunstraum des Mercator-Gymnasiums, Duisburg, Musfeldstr. 152 statt.
Das filmforum-Programm zu den 34. Duisburger Akzenten: PARACELSUS
Mittwoch, 14.3.12 – 20:30 Uhr
D 1942/43, 106 Min., FSK: 12 J.
Regie: Georg Wilhelm Pabst
Darsteller: Werner Krauß, Martin Urtel, Harald Kreutzberg u.a.
Theatertreffen: Leben des Galilei und Das Leben in der Tasche und Konzerte in der Aula
Ein Mann und ein Mädchen sind auf der Bühne. Das Mädchen sitzt auf einem Hocker. Links von dem Mädchen steht auf einem Tisch ein Liter Milch. Der Mann fragt: “Wo steht die Milch?” “Links”, antwortet das Mädchen richtig. Der Mann packt den Hocker und dreht ihn mitsamt des Mädchens herum.
“Wo steht die Milch jetzt?”
“Rechts.”
“Hat sie sich bewegt?”
“Nein, ich habe mich bewegt.”
“NEIN!”
“Der Hocker hat sich bewegt.”
“Richtig.”
Der glatzköpfige, weiß gekleidete Mann, der hier unterrichtet, ist Galileo Galilei. Der geniale Wissenschaftler hat bewiesen, dass die Erde um die Sonne kreist und nicht der ruhende Mittelpunkt des Kosmos ist. In Brechts Stück ist er nicht nur ein kluger Forscher sondern auch Genussmensch und Plagiator (so gibt er die Erfindung des Fernrohrs al seine eigener aus). Die Schlussfolgerungen des italienischen Naturwissenschaftlers über die Zusammenhänge des Weltalls “zertrümmern uns noch den ganzen Himmel”, befürchtet die Kirche und lässt Galilei in einem Prozess seine Entdeckungen und Erkenntnisse öffentlich widerrufen. Er glaube an die Vernunft, betont Galileo immer wieder. Dennoch beugt er sich der klerikalen Macht. Zum Märtyrer taugt er nicht.
Die Koproduktion des Theater Duisburg mit dem Theater Bonnstellt sich zwei Stunden lang packenden Fragen: Wie viel Wahrheit verträgt der Mensch? Welchen Wert hat Wissen? Wie frei ist der Mensch in seinem Handeln? Welche gesellschaftliche Verantwortung hat der Wissenschaftler?
Unter der Regie von Niklas Ritter entstand eine gelungene Inszenierung mit packenden Dialogen und skuriller Komik (z.B. eine kirchliche Modenschau mit einem Flitzerskandal!).
(Foto: Theater Bonn)
Mehr Theater: Das Leben in der Tasche und Konzerte in der Aula
Was ist, wenn man weg muss oder will und man dafür nicht mehr aus seinem Jetzt und seiner Vergangenheit mitnehmen kann, als in eine einzige Tasche passt? Und dann landet man in Duisburg mit all seine n Hoffnungen, Wünschen und Neurosen. Weiterlesen
Theater: Kein Plan oder Lost in MercatorQuartier
Was ist, wenn man im plötzlichen Nichts – zu nichts Gewohntem mehr zurück greifen kann? Etwas, das Orientierung und Halt bietet, für etwas Sicherheit – um den nächsten Schritt setzen zu können?
Da ist immer noch der eigene Name, der wohl bleibt und bleiben soll, um sich nicht zu verlieren. Die Zuschauergruppe, die das Theaterstück „Kein Plan“ besucht, wird mit eben diesem ausgestattet. Jeder der Besucher erhält zudem einen Eimer mit etwas Proviant für den langen Weg, der das Ziel sein soll: Eine Flasche Wasser, ein Schokoriegel und ein Brief.
Alice Schwarzer in der Zentralbibliothek
Die Regale wurden beiseite geschoben und unzählige Stuhlreihen aufgestellt. Und jeder einzelne Stuhl ist belegt, vornehmlich von Frauen. Alice Schwarzer liest vor einem vollen Haus. Bereits als sie die Bühne betritt wird sie mit begeistertem Applaus bedacht. Petra Dobler-Wahl stellt die Leserin des Abends noch einmal kurz vor, zählt ihre Errungenschaften auf und stellt auch den Bezug zu Gerhard Mercator her, der schließlich die Marschrichtung für die diesjährigen Akzente vorgibt: Alice Schwarzer war auch eine Pionierin auf ihrem Gebiet und wie Mercator revolutionierte sie die Weltanschauung gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen. Weiterlesen













